Der legendäre Wurm von Zettling
Zwischen Gasseilriss, Funkenregen und Freundschaft – das letzte Kapitel der AOM-Saison 2025
Die fünfte und letzte Runde der Austrian Outdoor Masters führte nach Zettling bei Graz. Styria Karting hat dort eine kurze, aber technisch anspruchsvolle Strecke in die Landschaft gesetzt. Bei Rundenzeiten um die 48 Sekunden verwandelten 38 Teams die Bahn in ein einziges, pulsierendes Band aus Karts – den legendären Wurm von Zettling.
Das MOKADAMO Racing Team stellte diesmal zwei Teams. Zusätzlich wurden zwei weitere MOKADAMO-Fahrer an die Racecraft Academy verliehen. Neu dabei war unsere Nachwuchshoffnung Lukas Heuberger – ein junger, charismatischer Fahrer mit viel Potenzial und Benzin im Blut.
Training und Qualifying
Schon im Training wurde klar: Wer hier bestehen will, braucht mehr als Speed – nämlich Überblick und Geduld. Der Verkehr war dicht, Überholmanöver erforderten Millimeterarbeit, und jeder kleine Fehler zog sofort Konsequenzen nach sich. Das Timing, wann man pushte und wann man Luft holte, entschied über Erfolg oder Stillstand.
Harald Stütz setzte das Kart mit der Startnummer 21 im One-Shot-Qualifying auf Startplatz 21. Alex Röck war zwar „nur“ vier Zehntel schneller, stand aber mit seinem Kart mit der Nummer 31 auf Startplatz 13 – und damit deutlich weiter vorne. Dass Startnummern und Startplätze so schön korrelieren, fällt vermutlich nur Arithmophilen auf.
Der an RCA pb MyCom (#4) verliehene Michael Zallinger sicherte sich einen respektablen 19. Startplatz.
Das Omen war gut – ebenso blendend wie die tiefstehende Morgensonne. Doch beides sollte mit den folgenden Geschehnissen wenig zu tun haben.
Das Endurance Rennen
MOKADAMO RT 21
Startfahrer Harald Stütz hatte zu kämpfen. Runde für Runde holten andere Fahrer auf und ließen ihn wie ein warmes Bier stehen. Da er das Kartfahren über Nacht kaum verlernt haben konnte, musste es andere Gründe geben. Kurz nachdem wir im Geiste unzählige Theorien durchgespielt hatten, rollte er plötzlich in die Box. Diagnose: Gasseil gerissen.
Nach einer neun Runden dauernden Notoperation sauste er wieder auf die Strecke – und plötzlich fuhr er Zeiten, die seinem Talent würdig waren. Doch die ersten 60 Runden hatten uns weit zurückgeworfen.
Als ob das nicht gereicht hätte, durfte Tobias Koini im zweiten Stint gleich eine Durchfahrtsstrafe antreten. Harald hatte beim planmäßigen Boxenstopp die Haltelinie offenbar weiter vorne vermutet, als sie tatsächlich war. Trotzdem: Tobias’ konstant schnelle 48er-Zeiten brachten uns Runde für Runde wieder näher ans Feld heran. Seine solide Leistung war am Ende maßgeblich für den guten Endrang verantwortlich.
Nikolas Jeitler blieb in seinen ersten beiden Stints leicht unter seinen gewohnten Leistungen. Ob es an den Karts oder an der Tagesverfassung lag, lässt sich im Nachhinein schwer sagen. Im Zweifel sind schlechte Rundenzeiten aber immer ein Kartfaktor – gute Rundenzeiten dagegen ein Fahrerfaktor.
Das Highlight des Rennens waren die letzten beiden Stints, gefahren von Tobias Koini und Nikolas Jeitler. Nach der Rundengutschrift wegen des Gasseildefekts im ersten Umlauf holten die beiden über eine Runde Rückstand auf das Team vor ihnen auf und verkürzten den Abstand bis auf zehn Sekunden.
Am Ende des Tages waren wir mit Rang 17 mittelprächtig zufrieden – aber so bleibt wenigstens noch Luft nach oben.
MOKADAMO RT 31
Alexander Röck hatte sich von Startplatz 13 bereits deutlich nach vorne gearbeitet und lieferte sich packende Duelle – bis ihn in Runde zwölf ein Konkurrent übersah. Alex befand sich nach der Kartschulkurve außen. Sein Gegner nutzte jedoch die komplette Streckenbreite und sah ihn nicht neben sich. Die darauffolgende spontane Kaltverformung des 31er Karts sah spektakulär aus und beendete jegliche Vorwärtsbewegung abrupt. Alexander blieb im wahrsten Sinne des Wortes auf der Strecke – oder besser gesagt: unter einem normalerweise fest verankerten Reifenstapel. Unser Atem stockte. Nach bangen Sekunden sahen wir glücklicherweise Bewegung unter dem Stapel.
Er konnte sich selbst befreien, doch das Kart stand mitten auf der Ideallinie – zum Leidwesen eines nachfolgenden Fahrers, der seinen Kurvenblick offenbar nicht rechtzeitig auf „Geradeaus“ gestellt hatte. Der Aufprall war heftig: Der Fahrer krachte ungebremst ins geparkte Kart, drehte sich im 90°-Winkel ab und nutzte die unfreiwillige Pause, um alle Knochen auf Unversehrtheit zu prüfen. Beide Fahrer hatten Glück im Unglück und kamen ohne schwerwiegende Verletzungen davon – auch wenn die Szene nach Hubschraubereinsatz aussah.
Nach dem Umstieg in ein intaktes Kart konnte Alex das Rennen fortsetzen. Doch die Blessuren forderten ihren Tribut (Anm.: die Unfallfolgen erwiesen sich im Nachhinein leider als schwerwiegender als ursprünglich angenommen - Krankenhaus inklusive). Gemeinsam mit Michael Merzinger und Sandro Fortin startete er vom letzten Platz – und mit mehreren Runden Rückstand – eine beherzte Aufholjagd.
Der 35. Rang war am Ende das Maximum, das sie herausholen konnten.
Die Sprintrennen
Eines vorweg: Die Sprintrennen wurden im letzten Segment von einem schweren Unfall in der Monaco-Schikane überschattet, infolgedessen das Rennen abgebrochen wurde. Schon in den Runden davor zeichnete sich ein hartes Duell zwischen mehreren Fahrern ab – mit Gerempel, Fäusten in der Luft, aggressiven Dreikämpfen und unfairen Manövern. Am Ende landeten drei Karts im Reifenstapel nach der Schikane – einem Abschnitt, der grundsätzlich nur Platz für eines bietet. Drei sind dort schlicht zwei zu viel. Es wirkte, als wäre das der Höhepunkt einer persönlichen Fehde gewesen – aber das zu beurteilen steht uns nicht zu.
Äußerst bedenklich war jedoch, dass einige Fahrer die heftig gestikulierenden Streckenposten ignorierten und ihre Geschwindigkeit nicht reduzierten. Gleichzeitig rannten in übereifrigem Hilfsbedürfnis mehrere Streckenposten und Teammitglieder auf die Strecke. Das führte zu einem weiteren schweren Zwischenfall, als ein Fahrer – offenbar völlig losgelöst von Bremsideen – in ein stehendes Kart krachte.
Auch hier kamen die Beteiligten glücklicherweise ohne schwerwiegende Verletzungen davon. Trotzdem sollten wir alle daraus lernen und uns die Streckenregeln sowie richtiges Verhalten im Rennbetrieb wieder ins Gedächtnis rufen.
Karting ist ein Hobby, das Spaß machen soll – nicht eine Geldbeschaffungsmaßnahme für Unfallchirurgen.
Die Highlights im Überblick:
Wenn die Karts auf Krücken laufen, kann auch der Fahrer nur über die Strecke humpeln. Nikolas Jeitler hatte daher genügend Zeit, um in Ruhe die Schmetterlingspopulation entlang der Strecke zu studieren. Harald Stütz lieferte wie gewohnt eine solide Performance ab. Dank einer Durchfahrtstrafe für Tobias Koini (wegen eines angeblichen Überholmanövers unter Gelb in der Prelap – was sich später als falsch herausstellte) blieb ihm ein Top-Five-Platz im ersten Rennen erspart. Dafür holte er im zweiten Lauf für sich und das Team MOKADAMO RT 21 einen sensationellen 3. Rang.
Besser erging es MOKADAMO RT 31: Der verletzte Alexander Röck wurde durch Michael Zallinger vertreten – und der wuchs über sich hinaus. Kontinuierliche Top-10-Plätze (Sandro Fortin), grandiose Aufholjagden (Michael Merzinger) und die richtigen Karts zur richtigen Zeit bescherten den drei Fahrern den 12. Gesamtrang im Sprint. Besonders hervorzuheben: der 3. Platz von Michael Merzinger – Gratulation zu dieser starken Leistung, das hast du dir redlich verdient!
Lukas Heuberger fuhr die schnellste Teamrunde und überzeugte mit konstanten Zeiten. Seine Highlights: P9 im Qualifying und Endrang 13 – inklusive eines beherzten Duells mit einem Fahrer der Profitruppe Neubacher #2. Für sein erstes AOM-Rennen mehr als beachtlich – da kommt noch einiges!
Ziel und Fazit
Unsere erste Saison in der AOM ist erfolgreich abgeschlossen. Wir sind von drei auf zehn Fahrer gewachsen, haben viel gelernt – und manches wieder verlernt. Wir kennen nun unsere Stärken und Schwächen.
Aber das Wichtigste: Wir sind ein echtes Team geworden.
Der Zusammenhalt, die Freundschaft, die gegenseitige Unterstützung und das spannungsfreie, wohlwollende Miteinander sind einzigartig im gesamten Kartzirkus. #mokadamour
Zwei Podien und mehrere Top-5-Platzierungen in den Sprints sind unsere größten sportlichen Erfolge der Saison 2025.
2026 treten wir mit drei Teams (#21, #31, #41) in der AOM an – und wollen zusätzlich in der einen oder anderen Leihkartmeisterschaft angreifen. Wenn unsere Lernkurve weiter so steil nach oben zeigt, werden wir die gepimpten Rasenmäher bald regelmäßig in die Top 10 stellen.
In eigener Sache
Besonders stolz sind wir auf die Freundschaften mit anderen Teams. Sie beweisen, dass fairer Wettkampf und echter Zusammenhalt kein Widerspruch sind. Der Austausch, die gegenseitige Unterstützung und das gemeinsame Feiern nach harten Rennen sind das, was unseren Sport lebendig macht – und was uns immer wieder motiviert, ans Limit zu gehen. Und ja – auch um 5:30 Uhr an einem Wochenende aufzustehen. Danke für die großartige Zeit!
Was der Teamchef noch zu sagen hat:
Ein riesiges Dankeschön an Bernhard und Silvia – ohne euch wäre so ein Rennwochenende schlicht nicht möglich. Ihr opfert eure Freizeit, nur um uns zu unterstützen, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen und unser Motorhome zu einem echten Zuhause zu machen.
Danke auch an alle BegleiterInnen, die immer wieder mit Rat und Tat zur Seite stehen. Gleiches gilt für unsere Sponsoren, ohne die so manches einfach "standard" geblieben wäre.
Und natürlich gilt der größte Dank unseren Fahrern – Tobias Koini, Harald Stütz, Michael "Merzi" Merzinger, Alexander Röck, Sandro Fortin, Michael Zallinger und Lukas Heuberger. Ihr seid das Rückgrat des Teams: Ihr packt an, baut auf und ab (teilweise trotz Verletzungen), seid immer hilfsbereit, gebt auf und neben der Strecke alles – und bleibt dabei durchweg positiv und gut gelaunt.
Ohne euch wäre MOKADAMO – na ja – nur eine falsch geschriebene Nuss.
Austrian Outdoor Masters
Styria Karting | 10. – 12. Oktober 2025
9 Stunden + 3x 3 Sprints
https://www.kd2000.at/aom
MOKADAMO #21 Fahrer
- Tobias Koini | AUT | Leicht
- Nikolas Jeitler | AUT | Mittel
- Harald Stütz | AUT | Schwer
Platzierungen im Sprint
- Sprint 1, 4 & 7 | Leicht | Tobias Koini | P21 (Durchfahrtstrafe), P3, P12
- Sprint 2, 5 & 8 | Mittel | Nikolas Jeitler | P32, P22, P22 (alles mit Stehkarts)
- Sprint 3, 6, & 9 | Schwer | Harald Stütz | P18, P22, P16
MOKADAMO #31 Fahrer
- Sandro Fortin | AUT | Leicht
- Michael Merzinger | AUT | Mittel
- Michael Zallinger | AUT | Schwer
- Alexander Röck | AUT | Schwer (verletzt)
Platzierungen im Sprint
- Sprint 1, 4 & 7 | Leicht | Sandro Fortin | P7, P26 (Kartpech), P7
- Sprint 2, 5 & 8 | Mittel | Michael Merzinger| P13, P3, P15
- Sprint 3, 6, & 9 | Schwer | Michael Zallinger | P27, P15, P20
GESAMTWERTUNG AOM 2025
| MOKADAMO RT 21 | 20. (5 Rennen) |
| MOKADAMO RT 31 | 35. (2 Rennen) |

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Runde 4 - AOM | Speedworld